Home

TR3PANINI– red house

 

red house

1 red house 1967 14'30
Musik/Text: Jimi Hendrix Schlagzeug: Tom Gerke Sopransaxophon: Luciano Prandini Klavier/Gesang: Dietmar Bonnen Viola: Manfred Niehaus

2 alla rabih 1998 6'08 Musik: Dietmar Bonnen Schlagzeug: Tom Gerke Sopransaxophon: Luciano Prandini Klavier: Dietmar Bonnen Baritonsaxophon: Lothar Burghaus

3 remixtura 1a »betreten verlassen« 2001 7'28 Musik: Dietmar Bonnen/Michael Rüsenberg Text: Ignaz Knips Schlagzeug/Glockenspiel: Tom Gerke Sopransaxophon: Luciano Prandini Klavier/Gesang: Dietmar Bonnen Gesang/Sprache: Annette Meyer Remix: Michael Rüsenberg

4 passeggio 2002 5'09 Musik: Dietmar Bonnen Schlagzeug: Tom Gerke Sopransaxophon: Luciano Prandini Klavier: Dietmar Bonnen

5 mauritshuis 2000 3'46 Musik: Dietmar Bonnen Text: Robert Gernhardt Schlagzeug: Tom Gerke Sopransaxophon: Luciano Prandini Klavier/Casio/Gesang: Dietmar Bonnen

6 remixtura 1b »Störung« 2001 4'54 Musik: Dietmar Bonnen/Michael Rüsenberg Text: Ignaz Knips Schlagzeug/Glockenspiel: Tom Gerke Sopransaxophon/Sprache: Luciano Prandini Klavier/Gesang: Dietmar Bonnen Gesang/Sprache: Annette Meyer Remix: Michael Rüsenberg

7 scetis 2001 9'02 Musik: Dietmar Bonnen Schlagzeug: Tom Gerke Sopransaxophon: Luciano Prandini Klavier: Dietmar Bonnen Gitarre: Robby Groß

8 remixtura 1c »Brücke« 2001 5'46 Musik: Dietmar Bonnen/Michael Rüsenberg Text: Ignaz Knips Schlagzeug/Glockenspiel: Tom Gerke Sopransaxophon/Sprache: Luciano Prandini Klavier/Gesang: Dietmar Bonnen Gesang/Sprache: Annette Meyer Remix: Michael Rüsenberg

9 red house remix 1967/2001 8'50 Musik/Text: Jimi Hendrix Schlagzeug: Tom Gerke Sopransaxophon: Luciano Prandini Klavier/Gesang: Dietmar Bonnen Viola: Manfred Niehaus Remix: Michael Rüsenberg


Aufgenommen 2001/2002 im Loft, Köln-Ehrenfeld
(außer mauritshuis aufgenommen 2000 im Studio P 330; neuer Mix 2003)
Aufnahme/Mastering: Gagga Deistler
Mix: Deistler/Bonnen
Remixe im Wiethase Studio, Köln: Michael Rüsenberg
Design etc.: peter-hoelscher@umbra.de

TR3PANINI bedankt sich herzlich bei den beiden WDR-Jazz-Doctores Ulrich Kurth und Bernd Hoffmann.

 

Red House – Remixes ohne Original

Drei Brötchen wollen den Kopf öffnen für gut Hörbares: das sind TR3PANINI. Ein D für ein T und ein E machen aus Prandini, dem Saxophonisten, zudem ein Anagramm. Über die Lust am Wortspiel geht aber noch der Spielspaß an spannender Musik. Auf ihrer neuen CD »red house« dehnen sie wieder einmal Konventionen: vordergründig Jazz, hintergründig Neue Musik. Dabei sind die Ebenen durchlässig.

Musik aus dem Baukasten entwickelte Dietmar Bonnen für diese CD. Der Komponist sowie Sänger und Pianist des Jazztrios lotet damit die Möglichkeiten eines Remixes aus. Einzelne Bausteine über ein Gedicht von Ignaz Knips arrangiert Michael Rüsenberg zu »betreten verlassen«, »störung« und »brücke«: drei Remixen ohne Original.
Sie sind eher neumusikalisch-gesetzte Stücke. Ihnen gegenüber stehen durchkomponierte Jazzimprovisationen. Dieses Paradox wird eben in den Ebenen aufgehoben. In der Hommage an Abou-Khalil »alla rabih« geht es weltmusikalisch-beschwingt zu. Bluesig-lasziv ordnet TREPANINI den Jimi-Hendrix-Klassiker »red house« erst neu, um ihn am Ende wieder von Rüsenberg in einem Remix zerhacken zu lassen.

Zu dem Wort und der Musik tritt das Bild. »scetis«, eine ägyptische Wüste, betitelt ein Stück. In »mauritshuis« beschreibt ein Text von Robert Gernhardt Vermeersche Gemälde. »brücke« schließlich lässt eine solche im Kopf entstehen, den TREPANINI dafür, wie gesagt, öffnet.

Marcel Jensen

 

Remix kam ohne Original aus – TR3PANINI mit experimenteller Musik im EhrenfelderLoft

Eine Hand streicht über Klaviersaiten, Bratschen- und Saxophonklänge geistern verloren durch den Raum, im Hintergrund grollt das Schlagzeug und akzentuiert die sinistre Atmosphäre. Dann spielt der Pianist ein langsames, neun Töne umfassendes Thema, das monoton und ständig wiederholt wird. Der Schlagzeuger unterstützt ihn mit verhaltenen, rhythmischen Beckenschlägen, und als sich eine tragfähige Struktur herausgebildet hat, folgen noch etwas zögerlich die ersten Textzeilen: "There's a red house over yonder/that's where my baby stays." Aha, es ist also »Red House« von Jimi Hendrix, mit dem das Trio TREPANINI an diesem Abend unterstützt von Bratschist Manfred Niehaus und Gitarrist Robby Groß sein Konzert im Ehrenfelder Loft beginnt.

Von Hendrix' Bluesklassiker ist in dieser Bearbeitung allerdings nicht viel mehr als der Text übrig geblieben, und auch die düstere Stimmung von Trennung und Ungewißheit wird zu Anfang stärker betont als im Original. Doch nach den ersten beiden Strophen nimmt das Ganze Fahrt auf, Sopransaxophonist Luciano Prandini bläst ein längeres Solo, und auch Schlagzeuger Tom Gerke zeigt sein Können mit gefühlvoller und variantenreicher Begleitung. Nur Pianist und Sänger Dietmar Bonnen hält den Ball auffallend flach und beschränkt sich auf knappe Rhythmusarbeit für den Pia nisten eines Jazz-Trios eher ungewöhnlich. "Ich singe ja schon, außerdem habe ich ein paar Stücke für die Gruppe geschrieben", erklärt er später lächelnd, "daß ist genug".

Bereits vor drei Jahren bei der Gründung von TREPANINI was u.a. aus dem Italienischen übersetzt soviel wie "drei Brötchen" bedeutet habe man dafür gesorgt, daß die jazzigen Klänge nicht überhand nehmen, indem man auf die Hinzunahme eines Bassisten verzichtete. "Dadurch ist der Gruppenklang transparenter, wir sind insgesamt offener geblieben", so Bonnen. Im Konzert ist diese Freizügigkeit allenthalben spürbar: »Alla Rabih« basiert auf orientalischen Kompositionsprinzipien, »Marilou sous la neige« entstammt der Feder des französischen Chansoniers Serge Gainsbourg, und hier und da werden die Disharmonien der Neuen Musik eingestreut.

Auf der kürzlich veröffentlichten CD geht das Trio noch weiter. Michael Rüsenberg, aus dem WDR-Hörfunk bekannter Jazzexperte und selbst Komponist von »soundscapes« Klanglandschaften also, die aus Umweltgeräuschen zusammengesetzt sind hat für TREPANINI am Computer Remixe angefertigt. "Normalerweise macht man Remixe von fertigen Stücken, aber hier gab es kein Original", erläuterte Rüsenberg.

Während Remixe eigentlich aus Wiederholungen und Verzerrungen einzelner Elemente des Originals bestehen, denen Effekte und teilweise auch völlig neue Strukturen hinzugefügt werden, lief der Arbeitsprozeß hier ganz anders ab. "Wir haben ihm sozusagen nur das musikalische Grundmaterial geliefert, die Parts der einzelnen Instrumente, die auf separaten Spuren aufgenommen wurden", so Bonnen. "Daraus mußte er dann vollständige Stücke machen. Die hätten natürlich auch ganz anders ausfallen können als auf derCD.''

Hans-Willi Hermans
Kölnische Rundschau 13.11.2003

VOODOO CHILD SPRING, 2005 ISSUE 67

Tr3panini – »red house« (OBST P 330.17)
A hand paints over the piano wires, viola and saxophone sounds surrupticiously spiral creating a sinister atmosphere. Then the pianist starts a slow, nine tones, playing a comprehensive topic, which is repeated monotonous and constantly; supported with restrained, rhythmic accompaniment as a load-carrying structure is developed, followed by the first text lines: "There's a red house over yonder/that's where my baby stays." Aha, it is thus »Red House« by Jimi Hendrix, with which the German jazz trio Trepanini explores.

German pianist Dietmar Bonnen has been exploring the avant garde since the day Frank Zappa died when he presented a chamber music ensemble presentation of Zappa's music. Bonnen's body of work over the years has explored the vowel vocalization as a musical entity, often using voices as much as instruments in the creation of his compositions.

On Tr3panini, he'sjoined by saxophonist Luciano Prandini and drummer Tom Gerke as they create atmospheric compositions paired with improvisational free spaces in an unorthodox mixture of most diverse influences and music styles creating a hypnotic ambience. The arrangements certainly are open, almost sparse in nature.

»red house« opens with the 14-minute »Red House« theme as has been described. While the Hendrix blues-theme remains intact, there's not much else of a common thread in this treatment. Tr3panini reprises the theme with a nearly nine-minute »Red House (Remix)« to close the disc, Bonnen again providing a poetic reading of the Hendrix lyrics over a sparse percussion and ominous acoustic piano loop. The instrumental bridge finds Prandini wandering into a soprano sax section that evolves into an ethereal soundpainting, accented with a swirling viola. "And if my baby don't love me no more, I know her fat little sister will."