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Verena Barié: Recordari

Bootleg Verena Barié

Verena Barié: Recordari – a sonic odyssey

Live in Melbourne, Wellington, Auckland, Christchurch, Utrecht, Köln
Musik von John Cage, Wilma Pistorius, Karlheinz Stockhausen, Anne La Berge, Igor C Silva

Live-Aufnahmen & -mixes: Verena Barié
Mix We live in a Bubble: Igor C Silva
Mastering: Deistler/Bonnen
Fotos: Verena Barié
Layout: Hölscher

TT: 64'12 c OBST 2025 p Barié 2024 OBL 25.17

gefördert durch das Stipendium #MusikerZukunft der Deutschen Orchester-Stiftung

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Verena Barrié - RECORDARI

 

RECORDARI erkundet die weiten Möglichkeitsräume zeitgenössischer Musik und verschiebt dabei etablierte Grenzen musikalischen Ausdrucks. Das Programm lädt dazu ein, Wahrnehmung aktiv zu formen, Resonanzen musikalischer Erinnerung im Raum nachzuspüren und klangliche Texturen zu entdecken, die individuelle Erfahrung mit der Welt verknüpfen.

Ausgangspunkt von RECORDARI ist ein zufälliger Übersetzungsfehler während eines Konzerts in Klaipėda: Das englische recorder wurde als Kassettenrekorder interpretiert. Aus diesem Missverständnis entwickelte sich das Konzept eines Soloprogramms, das die doppelte Bedeutung von recordari – erinnern und aufzeichnen – ins Zentrum stellt. Erinnerung, Aufnahme und die Blockflöte werden dabei zu einem vielschichtigen künstlerischen Geflecht, das historische, geografische und akustische Ebenen miteinander verbindet.

Die einzelnen Werke beleuchten Erinnerung als klanglichen Prozess. In meiner Interpretation von John Cages FOUR6 verbinden Field Recordings aus Südafrika und Neuseeland die Herkunftsräume der Komponist:innen Pistorius und Jackson. Die Klanginstallation senza manuale kombiniert Orgelpfeifen und Ballonpumpen zu einer sinnlich erfahrbaren Verbindung von Akustik und Haptik. In Stockhausens SPIRAL werden flüchtige Kurzwellen­signale über große Distanzen hinweg zum Material einer live improvisierten Transformation – im Dialog zwischen Performer, Instrument und Raum.

RECORDARI stellt grafische und konzeptuelle Notationen der Avantgarde traditionell strukturierten Partituren gegenüber. Dieses Spannungsfeld zwischen Experiment und Tradition präsentiert die Blockflöte als verbindendes Instrument zwischen Epochen und Ästhetiken – vertraut und zugleich neu gedacht. So macht das Programm avantgardistische Konzepte zugänglich, ohne die klassische Tradition aus dem Blick zu verlieren.

Gefördert durch das Stipendium der Deutschen Orchesterstiftung im Rahmen der Initiative #MusikerZukunft, ist RECORDARI mehr als nur ein Konzert. Es ist ein Geflecht, in dem Vergangenheit und Gegenwart harmonieren, um neue musikalische Horizonte zu eröffnen.


Dancing with the Inner Silence (2020)
Wilma Pistorius (*1991, Südafrika)
Für Großbass Paetzold und Ganassi Altflöte
mit Elektronik von Verena Barié (2024)
Live Aufnahme in SANKT PETER KÖLN/Deutschland am 12.4.24

In Dancing with the Inner Silence reflektiert Pistorius auf poetische Weise Einsamkeit und ihre inneren Resonanzen. Entstanden während der Corona-Pandemie, geht das Werk auf eine partizipative Initiative zurück, in der persönliche Impulse in individuelle Kompositionen überführt wurden. Die Einbindung separierter Orgelpfeifen als klangliche Erweiterung wurde zu einem zentralen Bestandteil der Komposition. In Verbindung mit unterschiedlichen Blockflötenregistern und vorproduzierten Linien entfaltet sich eine vielschichtige Klanglandschaft zwischen Intimität und Weite. Die melancholische Grundstimmung verweist dialogisch auf Johann Sebastian Bachs Choral Das alte Jahr vergangen ist (BWV 614) und verankert das Werk in einer historischen Reflexion über Vergänglichkeit und Erneuerung. Dancing with the Inner Silence lädt zur kontemplativen Auseinandersetzung mit inneren Klangräumen ein und verbindet stille Konzentration mit einer behutsam wachsenden klanglichen Dynamik.

SPIRAL (1968)
Karlheinz Stockhausen (1928-2007)
für Solist:in mit Kurzwellenempfänger
Live Aufnahme in
00’00’’ - 02’02’’ in TEMPO RUBATO MELBOURNE/Australien
am 07.02.24
02’00’’ - 04’19’’ in THE PYRAMID CLUB WELLINGTON/Neuseeland
am 24.02.24
04’16’’ - 07’01’’ in JOHANNESKIRCHE KÖLN-BRÜCK/Deutschland
am 22.06.24
06’57’’ - 11’03’’ in STADSKLOOSTER UTRECHT/Die Niederlande
am 18.05.24
10’55’’ - 15’22’’ in THE AUDIO FOUNDATION/Neuseeland
am 02.03.24

Karlheinz Stockhausens SPIRAL entstand 1968 im Kontext seiner elektroakustischen Experimente und seines erweiterten Virtuositätsbegriffs. Die Uraufführung durch Heinz Holliger 1969 bei der Musicki Biennale Zagreb begründete einen Werkzyklus, der Soloperformance, Live-Elektronik und Improvisation miteinander verschränkt. Internationale Sichtbarkeit erlangte SPIRAL durch die täglichen Aufführungen während der EXPO 70 im von Stockhausen mitgestalteten Kugelauditorium des deutschen Pavillons in Osaka.
Im Zentrum des Werks steht die Interaktion zwischen Solist:in und live empfangenen Kurzwellen­signalen. Diese unvorhersehbaren Fragmente globaler Funkkommunikation werden im Moment der Aufführung imitiert, transformiert und weiterentwickelt. Die Interpretation verlangt eine enge Verschränkung von Musiker:in, Instrument und Raum sowie höchste klangliche Sensibilität. Nach der Abschaltung klassischer Kurzwellenprogramme greife ich auf Web-SDR zurück, um den globalen Signalraum weiterhin zugänglich zu machen. Ergänzt wird dies durch eine eigens entwickelte Klangskulptur aus Stoßball und Körperschalltreibern, die als zeitgenössisches Miniatur-Kugelauditorium die räumliche und physische Dimension von SPIRAL erfahrbar macht. Über seine historische Bedeutung hinaus bleibt SPIRAL eine präzise Reflexion medialer Wahrnehmung. In einer digital überformten Gegenwart eröffnet das Werk einen fokussierten Blick auf Prozesse von Kommunikation, Transformation und Kontext.

 

We Live in a Bubble (2019/2024)
Igor C Silva (*1987, Portugal)
für Solist:in und Live Elektronik
Studio Aufnahme in Köln/Deutschland am 19.08.2024
Mischung vom Komponisten

Igor C Silvas We Live in a Bubble wurde ursprünglich für flexibles Bläsertrio und Elektronik komponiert und zeichnet sich durch die nahtlose Verzahnung akustischer und elektronischer Klangschichten aus. Die jüngste Solofassung, arrangiert und interpretiert von Verena Barié, unterstreicht die Wandlungsfähigkeit des Werks und zeigt, wie zeitgenössische Kompositionen durch neue Aufführungskonzepte weitergedacht werden können.
Silva, geboren in Porto und heute in Amsterdam und Brüssel tätig, zählt zu den prägenden Stimmen der elektronischen und multimedialen Musik. Seine Arbeiten verbinden Performer:innen, Computer und dichte Klangtexturen zu immersiven Erfahrungsräumen. Die Zusammenarbeit mit Barié begann im Masterstudium für Live Electronics am Conservatorium van Amsterdam. Die Soloversion wurde in Köln aufgenommen und in Amsterdam finalisiert.
Inhaltlich reflektiert We Live in a Bubble Isolation, Vernetzung und die fragile Balance zwischen akustischer Präsenz und elektronischer Vermittlung. In dieser Interpretation wird das Werk zur poetischen Metapher zeitgenössischer Kommunikations- und Lebensrealitäten.

FOURsix (1992)
John Cage (1912-1992)
mit Block- und Vogelflöten, Samplern, Senza Manuale
Live Aufnahmen
00’00’’ - 11’55’’ in THE PYRAMID CLUB WELLINGTON/Neuseeland
am 24.02.24
11’44’’ - 19’52’’ in JOHANNESKIRCHE KÖLN-BRÜCK/Deutschland
am 22.06.24
19’28’’ - 25’28’’ in TEMPO RUBATO MELBOURNE/Australien
am 07.02.24
24’24’’ - 30’00’’ in SANKT PETER KÖLN/Deutschland
am 12.4.24

John Cages FOURsix gehört zu den sogenannten Number Pieces seines Spätwerks, die durch offene Form und präzise Zeitstrukturen gekennzeichnet sind. Mittels Zeitklammern eröffnen sie den Interpret:innen große gestalterische Freiräume innerhalb klar definierter Parameter. Der Titel verweist auf Anzahl und maximale Besetzung der Ausführenden.
Meine Interpretation erweitert diese Offenheit durch eine computergestützte Klangarchitektur. Die Blockflöte bildet dabei den klanglichen Kern und wird durch einen Sampler mit Field Recordings aus Neuseeland und Südafrika ergänzt. So entstehen Verbindungen zwischen geografischen, kulturellen und akustischen Räumen.
Zentrales Element ist die Orgelpfeifeninstallation senza manuale, die den Klangraum ausdehnt und eine kontemplative Atmosphäre schafft. Im Zusammenspiel von Improvisation, Elektronik und traditionellem Instrumentarium wird FOURsix zu einem meditativ-installativen Höhepunkt des Programms und eröffnet neue Perspektiven auf Cages Spätwerk.

AWAY (2009-2018)
Anne La Berge (*1955, USA)
für Interpret:in und MaxPatch
Studio Aufnahme in Köln/Deutschland
am 19.08.2024

Anne La Berge bewegt sich mit ihrem Schaffen an der Schnittstelle von Klangkunst, Improvisation und multimedialer Performance. AWAY ist ein exemplarisches Werk dieser interdisziplinären Praxis, in der lineare Formen zugunsten offener, erzählerischer Strukturen aufgelöst werden.
Über mehrere Jahre entwickelt, ist AWAY sowohl für den Konzertsaal als auch für digitale Formate konzipiert. Inhaltlich thematisiert das Werk Abschied, Verlust und die immateriellen Räume, die zurückbleibende Beziehungen formen. Es entfaltet eine fragile Klanglandschaft, geprägt von Emotionalität und leiser Reflexion über Erinnerung und Vergänglichkeit.
Durch die Verbindung elektronischer Klangverarbeitung mit improvisatorischer Interaktion entsteht ein Werk von großer erzählerischer Dichte. AWAY zeigt La Berges Fähigkeit, Klang als unmittelbares Medium emotionaler Kommunikation einzusetzen und dabei konventionelle Hörgewohnheiten nachhaltig zu erweitern.


 

KOMPLETTE TOURDATEN:

LOCATIONS: 17 (18)
CITIES: 13 (14)
COUNTRIES: 7 (8)

LTK4 – KÖLN
31. JANUAR 20.00 UHR

TEMPO RUBATO – MELBOURNE
08. FEBRUAR 20.00 UHR

THE PIANO – CHRISTCHURCH
11. FEBRUAR 19.00 UHR

THE PYRAMID CLUB – WELLINGTON
24. FEBRUAR 20.00 UHR

SCHOOL OF MUSIC – AUCKLAND WORKSHOP
01. MÄRZ 16.00 UHR

THE AUDIO FOUNDATION – AUCKLAND
02. MÄRZ 19.00 UHR

VICTORIA UNIVERSITY – WELLINGTON WORKSHOP
06. MÄRZ 15.10 UHR

LASALLE COLLEGE OF THE ARTS – SINGAPUR
08. MÄRZ 20.00 UHR

UNIVERSITAS SANATA DHARMA – YOGYAKARTA
12. MÄRZ 11.o0 UHR – SEMINAR

LOKAYATA ART GALLERY – NEW DELHI
17. MÄRZ 17.30 UHR

SANKT PETER – KÖLN
12. APRIL 19.30 UHR

SPLENDOR – AMSTERDAM
17. MAI 20.30 UHR

STADSKLOOSTER – UTRECHT
18. MAI 20.00 UHR

JOHANNESKIRCHE – KÖLN-BRÜCK
22. JUNI 19.00 UHR

MEX – DORTMUND
15. NOVEMBER 20.00 UHR

STME – ESSEN
24. NOVEMBER 2024 17.00 UHR

SCHIN – SCHEVEN
01. DEZEMBER 2024 16.00 – 19.00 UHR

CAPE TOWN – SOUTH AFRICA
SAMPLES for voice 3 in CAGE Birthplace of Wilma Pistorius